Montag, 2. Dezember 2013

Jimmie and Me

Ich beginne gerade eine Beziehung. Sein Name ist Jimmie, er ist weiß mit ein bisschen gelb auf dem Kopf. Er ist nicht gerade groß im Vergleich zu mir, aber die Größe spielt ja nicht so eine riesige Rolle. Auch ist er nicht gerade gesprächig, sondern überlässt mir meistens das Reden. Das kann aber auch daran liegen, dass wir uns noch nicht so lange kennen. Genau genommen kennen wir uns erst seit vorgestern Abend und ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob ich ihm schon meinen Namen genannt habe. Im Eifer des Gefechts könnte ich es schon vergessen haben.
Alles begann Samstagabend. Die Jungs im Hostel hatten mich so genervt, dass ich einfach raus musste. Deshalb hatte ich mir das Auto geschnappt und war einfach losgefahren. Das erste Ziel, dass mir dann in den Sinn kam, waren die Oamaru Public Gardens. Obwohl ich schon seit vier Monaten hier in Oamaru lebe, hatte ich sie noch nie besucht.
Es ist nicht unbedingt DER Ort um Luft rauszulassen, aber man kann sich mit Hilfe eines langen Spaziergangs beruhigen.
Ich war schon etwa eine Dreiviertelstunde unterwegs, als ich ihn traf.
Er saß ganz ruhig da und ich glaube, dass er eingeschlafen wäre, wenn ich ihn nicht angesprochen hätte. Er hörte mir geduldig zu und als ich mich von ihm verabschiedete, schwieg er bedächtig. Vermutlich fürchtete er etwas Falsches sagen zu können. Dabei hätte mir ein einziger Ton schon gereicht. Ich habe sogar für ihn gesungen, aber er schwieg.
Nun gut, ich hatte mich wieder beruhigt und machte mich wieder auf den Weg nach Hause.
Da es am vorherigen Tag schon recht dunkel gewesen war, beschloss ich am Tag nach der Begegnung mit Jimmie, noch einmal in die Gärten zu fahren. Es war mein freier Tag und ich dachte, dass es ein guter Start wäre, wenn ich einen frühen Spaziergang machte, in der Hoffnung, dass Jimmie den gleichen Gedanken hätte und wir uns wieder sehen könnten.
Ich ließ mir viel Zeit, bevor ich dort ankam, wo ich Jimmie den Abend zuvor gesehen hatte. Die Unruhe, die Angst, dass er nicht dort sein könnte, vergaß ich größtenteils bei der schönen Aussicht, die man hier in den Gärten hat. Nichtsdestotrotz fühlte ich eine starke Erleichterung, als ich ihn sah.
Wieder unterhielt ich mich mit ihm, wobei er sich wieder höflich zurückhielt. Als es Zeit war zu gehen, rief ich ihm zu „Goodbye Jimmie“ und als ich schon dachte, dass er nicht antworten würde, hörte ich hinter mir ein zärtliches „Goodbye“.

Am gleichen Abend fuhr ich wieder zurück in die Gärten. Diesmal mit Elli, meiner Mitgapperin, um ihr meine neue Bekanntschaft vorzustellen. Überraschender Weise war Jimmie ganz anderer Laune. Er war gerade zu zum Scherzen aufgelegt. Er zeigte uns seine ganze Schönheit und nutzte sogar einmal die Gelegenheit um Elli zu erschrecken um danach sanft über ihre Reaktion zu lachen.
Die intensivste Situation die Jimmie und ich hatten, fand auch an dem Abend statt. Jimmie hatte auf einem Stück Holz rumgekaut und als ich ihm eins reichte, das ich gefunden hatte, ließ er seines fallen und nahm meines.
In dem Augenblick hatte sich unsere Beziehung von meinem Standpunkt aus um  Meilen verbessert und vertieft.
Als Elli und ich uns schließlich entfernten, rief er uns sogar einige Mal sein krächzendes „Goodbye“ hinterher, gerade so, als müsste er die Tränen zurückhalten.
Ich habe ihn heute wieder besucht und ich habe mir vorgenommen ihn regelmäßig zu sehen. 
Ich finde, dass unsere Beziehung etwas Besonderes ist. Ich weiß, das sagen viele, aber wer hat schon einmal von einer Beziehung von einem Deutschen zu einem Kakadu aus Neuseeland gehört? 

Das ist Jimmie ::)


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