Samstag, 10. Januar 2015

Abschalten, Entspannen, Tourist sein - Ein Silvester in Wien

Ab und zu muss man einfach raus. Weg von allem, den Kopf frei kriegen und es sich einfach gut gehen lassen. Es heißt immer, das Studentenleben sei so unglaublich einfach und entspannend und auch wenn es in meinem Fall recht ruhig zu geht, so weiß ich, dass ich eine Ausnahme bin. Desweiteren haben wir Studenten alle Hände damit zu tun, erwachsen zu werden und das ist bei weitem keine einfache Aufgabe.
So beschlossen also Iso und ich uns über Silvester nach Wien zu verkriechen - einfach hin, ohne Plan, ohne Vorsätze.
Also buchten wir einen Bus und ein Hostel und machten uns kurz nach Weihnachten auf die Reise - auf eine sehr lange Reise. 15 Stunden Busfahrt standen uns bevor und an dieser Stelle möchte ich euch alle fragen: Seid ihr schon einmal mit einem Fernbus gefahren? Für all jene, die diese Frage verneinen müssen, gebe ich nun mein Bestes um euch zu beschreiben, wie man sich auf einer Reise in einem modernen Fernbus fühlt.
Stellt euch vor ihr lasst euch nieder auf eurem Bett bei euch daheim. Ihr sitzt dort schön gemütlich und ihr fühlt euch eigentlich recht entspannt, dann plötzlich tut sich eine Wand vor euch auf, großzügige zwei Millimeter von euren Knien entfernt. Schlau wie ihr seid, möchtet ihr eure Beine einfach nach links auf eurer Bett schmeißen, aber nein dort sitzt ein haariger Hagrid, der aussieht, als hätte er gerade einen 10 km Langlauf hinter sich, verzweifelt dreht ihr euch zur anderen Seite, doch auch der Platz wird versperrt von einer nicht aufhörenden Horde Orks, die unsanft über eure Füße stapfen würden, wenn ihr auch nur den kleinen Zeh auf den Gang streckt.
Nun denkt ihr euch vielleicht, dass das ganze halb schlimm ist, dass ihr einfach die ganze Zeit schlaft und Musik hört, doch wenn ihr gerade eingeschlafen seid, verwandelt sich das weiche Bett plötzlich in harten, kantigen Felsen und jede Position schmerzt und ihr könnt wegen des haarigen Hagrids nicht nach links und auch die Orks stampfen in regelmäßigen Abständen rechts neben euch vorbei und ihr möchtet aus Verzweiflung schreien, doch da fühlt ihr plötzlich einen stechenden Schmerz auf euren Knien, weil die Wand vor euch sich plötzlich bis zum geht nicht mehr nach hinten lehnt und eure Kniescheiben ohne Rücksicht zermalmt.
Vielleicht könnte sich die CIA da etwas von Busunternehmen abgucken... Folter pur!

So, das war die grobe Beschreibung der ersten halben Stunde, danach fiel ich in einen leichten Fiebertraum, bis wir um halb neun Uhr morgens dann endlich Wien erreichten.
Nach so einer langen Zeit wünscht man sich nichts sehnlicher, als schnell auf sein Zimmer zu kommen und ein leckeres Frühstück zu essen. Nun ja, das Hostel hatte da anderer Ansichten und servierte uns ein Frühstück aus fertig gebackenen Aldi Brötchen aus der Tüte, deren Bissfestigkeit darauf hinwies, dass sie eigentlich für die Verfütterung an Pferde gedacht waren und ließ uns stinkend, jammernd und unsere Knie kühlend sechs Stunden in Gemeinschaftsraum warten um uns dann in ein Zimmer zu lassen, das gütigerweise zwar ein paar freie Betten hatte (abgezogen von den Vorgängern) aber nicht im entferntesten so aussah, als hätte in den letzten Tagen jemand einen Lappen im Badezimmer geschwungen. Da kommt die Frage auf: WARUM ZUR HÖLLE MUSSTEN WIR SECHS STUNDEN WARTEN???
Aber nun gut, als gut erzogene Touristen, beschwerten wir uns nicht, gaben uns dem lauwarmen Wasser der Dusche hin, schmissen uns ins Bett und fielen bis zum nächsten morgen in ein willkommenes Koma.

Tag zwei - Es war Sightseeing angesagt. Auch wenn ich es wirklich nicht mag mit meiner Kamera durch die Gegend zu laufen und jedes nur mögliche Touristenklischee zu erfüllen, so dachte ich mir - wen kümmert's!
Mein erster Stop war Das "Haus des Meeres" mit Seeigeln aus der Hölle - wirklich, ihre Augen, Mund oder was auch immer leuchten! Der "Hase" hätte es nicht gewagt so einem vorzuwerfen langsam zu sein. Er wäre vermutlich schreiend davon gerannt! - und kleinen Äffchen von denen man mir am Ausgang nicht glaubte, dass ich sie mitgebracht hätte.



Von Wien könnte ich noch so viel mehr erzählen, aber ich möchte lieber über mein Zimmer berichten, welches mir ein bisher unvergleichliches Silvester bescherte.
Das Zimmer 34A (#Zimmer34A - wenn ihr es nicht versteht, kein Ding, es ist ein Insider ;) ).
Als ich das Zimmer betrat wurde ich mit den Worten begrüßt: "Hier-e ist-e eine Wodka für-e dich-e!" und ein sardinisch aussehender - Ich wusste natürlich auf der Stelle, dass er nicht einfach aus Italien sondern aus Sardinen kam. Dieser dunkle Bart und Haare und diese sardinische Kopfform: Der Fall war klar!- Mann drückte mir ein Pinnchen in die Hand, welches ich aus purer Höflichkeit nicht ablehnte.
Danach hatte ich dann Zeit mich umzublicken und sah noch einen weiteren Sardiner (Dieser Bart und diese Haare und diese Kopfform - unverwechselbar), der mich freundlich anlächelte, so wie drei sehr deutsch aussehende Leute. Eine Dame, ein junger Mann und ein Österreicher, wie mir nach kurzem Smaltalk klar wurde, wobei mir bei der Dame auch wieder ein Blick genügt hat um es festzustellen - Ich muss sagen, ich glaube ich habe ein wirkliches Talent dafür. 
Um euch ein Bild zu schaffen von der Zusammensetzung, folgt ein Bild von der ganzen Truppe:
Von links nach rechts: Julia, Iso, Pierre-Michel, Mattia (unten), JÜRGEN (oben), Marcel, Max
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, muss ich erwähnen, dass es kein Bier auf dem Bild ist sondern Limonade. Die Österreicher sind ein bisschen verrückt und verwirren die Menschen gerne. Es ist so etwas wie eine Werbekampagne. Die Menschen greifen nach den Dosen, weil sie ein kühles Bier zum Grillen wollen und beim ersten Schlucke merken sie, dass es eigentlich Limonade ist. Sie bemerken den guten Geschmack und bald kauft jeder nur noch Limo. Das ganze funktioniert leider auch anders herum. Seit neustem müssen Kinder in Österreich einen Alkoholtest machen, bevor sie mit dem Fahrrad zur Schule fahren.
Sie greifen nach der vermeintlichen Limo und fahren danach nur noch im Zick Zack.

Das war allerdings nicht die ganze Gruppe aus Zimmer #34A. In einem der Doppelbetten schlief ein japanisches Pärchen ( auch wenn Iso darauf bestand, dass es Koreaner waren. Sie muss auch diesen Blick haben wie ich, oder es zumindest glauben), welches scheinbar in ihren Flitterwochen war - der böse Blick, den die Frau dem Mann zuwarf, als dieser ein halbes Pinnchen Wodka akzeptierte, zeichnete sie definitiv als Ehefrau aus - und und ein anderer Japaner (Ja Iso, Japaner!) der eine besondere Vorliebe für Plastiktüten hegte und diese auf keinen Fall mit anderen teilen wollte. Wir durften sie nicht einmal sehen. Woher ich weiß, dass sie da waren, wenn wir sie nicht sehen durften? Nun ja, es war so, dass mitten in der Nacht immer ein Geräusch ertönte, dass sich anhörte, wie trockene Corn Flakes, die in Zeitlupe zerkaut werden - durch ein Mirko und Bassbooster um das 100fache verstärkt. Man konnte richtig hören, wie er mit den Tüten schmuste.

Wie dem auch sei, die Japaner (!!!) hinter uns lassend, zogen wir sieben Leute los um ins neue Jahr zu feiern. Auf zum Karlsplatz ging es und zum ersten mal in meinem Leben habe ich einen Wienerwalzer um 00:00 Uhr am ersten Januar getanzt, einen Sardinier auf die Wange geküsst, einem goldenen Ballon nachgetrauert (Max, wie konntest du ihn nur verlieren? Er gehörte doch zur Familie ;) ), das ganze Aggressionspotential von Clubbesuchern verspürt und Leuten weiß gemacht, dass ich aus Neuseeland käme.
Das ganze wäre allerdings doch zu lang für einen Blogeintrag und folgt in einem weiteren. Ich hoffe in einem weiteren von einer Ganzen Reihe von Blogeinträgen, für die ich mir wirklich Zeit nehmen möchte, damit die Unterdrückte Kreativität im Studium ein Ventil findet.

Ich danke allen aus dem Zimmer 34A für dieses unglaubliche Silvester! Es war großartig ::) 



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